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Selbstzweifel loswerden – Der innere Dialog als Schlüssel zum Erfolg

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Golf ist eine der wenigen Sportarten, bei der Spieler mehr Zeit zum Denken, als zum Spielen haben. Die Zeit, in der wir den Schläger tatsächlich schwingen, ist im Vergleich zu der durchschnittlichen Dauer von 4 bis 4,5 Stunden einer Golfrunde geradezu winzig.

Wir verbringen ein paar wenige Minuten mit dem Schwingen des Schlägers am Ball, je nach Vorbereitung circa 30 Minuten, um uns auf einen Schlag vorzubereiten und die restliche Zeit verbringen wir damit, von Schlag zu Schlag zu laufen und zu denken.

Die leise Stimme im Hinterkopf

Die leise Stimme in unserem Hinterkopf hat einen gewaltigen Einfluss auf die Zahl, die nach 18 Löchern auf dem Papier steht und allzu gerne äußert eben diese Stimme ihre Bedenken auf den letzten Löchern einer Runde. Die Ironie dabei: Niemand ist uns so nah wie wir uns selbst und trotzdem reden wir uns immer wieder ein, dass etwas nicht klappt, dass wir etwas nicht können oder, dass wir nicht gut genug sind.

Würde uns ein Anderer auf unsere vermeintlichen Schwächen vor oder während einer Runde ansprechen, so wäre „was fällt Dir eigentlich ein, Du willst mir wohl die Runde vermasseln“ wahrscheinlich nur eine der milderen Antworten, die wir entgegnen würden.

Wir sind von Hause aus unheimlich kritisch mit den Aussagen Anderer. Dabei ist Negatives, was wir uns selbst einreden genauso schädlich, wie das, was uns möglicherweise eine andere Person weißmachen will. Unser Gehirn ist ein Supercomputer und unsere Selbstgespräche sind das Betriebssystem. Positive Selbstgespräche zu kultivieren ist unheimlich powervoll, doch für diejenigen, die sich nicht tiefer mit dem Thema auseinandersetzen, mag das Ganze belanglos und zu einfach klingen.

Taktiken und Routinen erfolgreicher Menschen nachnahmen

Seit Sigmund Freud hatte man sich über 100 Jahre lang mit psychischen Problemen und der Frage, was Menschen unglücklich macht, beschäftigt.

Mitte der Neunziger Jahre begannen einige Wissenschaftler anders zu ticken. Allen voran der kalifornische Psychologie-Professor Martin Seligman, der seine Aufmerksamkeit auf die Frage richtete, was Menschen glücklich macht. Das ist unserer Meinung nach ein weitaus vernünftigerer Ansatz, denn wir haben deutlich mehr davon, wenn wir die Taktiken, Routinen und Gewohnheiten glücklicher und erfolgreicher Menschen nachahmen.

Seligman war es auch, der in einer Studie herausfand, dass optimistische Versicherungsvertreter im ersten Jahr 8% mehr Umsatz machten, als ihre pessimistischen Kollegen. Im 2. Jahr sogar ganze 31%. (Quelle: Search Inside Yourself, Chade-Meng Tan)

Kreativer und Lösungsorientierter durch positive Grundeinstellung

Barbara Fredrickson ist Wissenschaftlerin an der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina und Begründerin des Broaden-and-Build Effektes. Dieser besteht aus zwei Teilen und besagt zum einen, dass eine positive Grundeinstellung das Bewusstsein erweitert und den Mensch dadurch kreativer und lösungsorientierter macht – Eigenschaften, die uns auf dem Golfplatz zu Gute kommen. (Quelle: Die Macht der guten Gefühle, Barbara Fredrickson).

Wahre Größe zeigt sich, wenn auch in unvorteilhaften Situationen ein positives Verhalten an den Tag gelegt wird. Denn dazu gehört Mut, Stärke, Ausdauer, Kreativität, Glaube und Willenskraft. Pessimismus hingegen, ist einfach.

Selbstzweifel sind menschlich

Doch Selbstzweifel sind allzu menschlich, denn unser Gehirn ist in erster Linie um unser Überleben und unsere Sicherheit bemüht. Angst und Zweifel waren für unsere Vorfahren daher absolut überlebensnotwendig. Ohne Angst wären unsere Vorfahren in der Steinzeit reihenweise von wilden Tieren verspeist worden, denn wer nichts zu fürchten hat, der trifft auch keine Vorkehrungen, um sich gegen den Gegenstand seiner Angst zu schützen.

Da wir Menschen uns schon seit längerer Zeit nicht mehr denselben Gefahren, wie damals in der Steinzeit stellen müssen, haben sich auch die Dinge, auf die wir unsere Ängste und Zweifel projizieren, ein wenig verändert. Golfplätze zum Beispiel. Hindernisse. Einzelne Löcher. Bestimmte Abschläge. Fehler Nummer 1 den die meisten Amateure dabei machen, ist der Versuch die eigenen Ängste und Zweifel zu verdrängen.

Rebound Effekt: Verdrängen von Ängsten

Das Verdrängen von Ängsten und Selbstzweifeln, beziehungsweise der Versuch davor wegzulaufen wird in der Psychologie als Rebound Effekt bezeichnet.

Daniel Wegner ist Psychologe an der berühmten Harvard Universität. Wegner hat einen Großteil seines Berufslebens dem Rebound Effekt gewidmet. In seinem bekanntesten Experiment forderte Wegner Versuchspersonen auf, nicht an einen Eisbären zu denken. Jedes Mal, wenn eine der Versuchspersonen doch an einen Eisbären dachte, sollte sie sich bemerkbar machen. Tatsächlich hatten alle Versuchspersonen massive Schwierigkeiten, Ihren Kopf von Eisbären freizuhalten.

Psychologen sind der Auffassung, dass der Versuch nicht an etwas zu denken dazu führt, dass wir uns ständig die Frage stellen, ob wir gerade an das denken, woran wir nicht denken sollen. Den Gedanken, beziehungsweise die Angst durch aktives Verdrängen loszuwerden, ist nahezu unmöglich.

Selbstzweifel akzeptieren und besser Golfen

Der bessere Ansatz ist daher, die Selbstzweifel einfach zu akzeptieren. Das scheint erst einmal gegen unsere Natur zu sein, doch die Chancen stehen gut, dass die Zweifel dadurch von ganz alleine verschwinden.

Wie oft haben wir das Gefühl, unseren Gedanken nachlaufen oder angefangene Gedanken „zu Ende denken“ zu müssen, als ob wir das Drehbuch eines Films während der Kinovorstellung ändern wollten. Die eigenen Gedanken wie einen Film zu betrachten ist unheimlich schwer, doch noch schwerer ist es, das Drehbuch während der Vorstellung zu ändern. Dann entsteht Chaos. Durch Chaos entsteht Angespanntheit und ein erhöhter Muskeltonus. Damit erfolgreich Golf zu spielen, ist alles andere als einfach.

Unentspannt golft es sich nicht gerade leicht © designpicsinc / depositphotos

Negativspirale durch Gedanken und Emotionen

Gedanken sind in erster Linie das, was wir durch unsere Interpretation aus ihnen machen, nichts anderes.

Ein Beispiel: Ein Grün ist ringsum von Wasser umgeben. Die Runde läuft bislang gut, doch für einen Moment denken wir daran, was wohl passieren würde, wenn wir den Schlag ins Wasser schlagen und schwupps… schon gehen wir der Sache auf den Grund.

Wir beginnen Fragen zu stellen und laufen dem Gedanken hinterher. „Was, wenn ich den Ball wirklich ins Wasser schlage? Warum muss ich ausgerechnet jetzt zweifeln?“ Der Gedanke löst eine Emotion in uns aus, die wiederrum zu weiteren Gedanken führt. Die Negativspirale nimmt ihren Lauf und die Chancen stehen gut, dass der Ball tatsächlich im Wasser landet.

Wer sich danach auch noch ärgert, der sorgt dafür, dass er auch an kommenden Löchern mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat, denn die Wissenschaft ist sich heute darüber einig, dass Ereignisse, die wir mit Emotionen verbinden, detaillierter und langfristiger im Gehirn gespeichert werden. (Quelle: Verstehen Sie Ihren Verstand?: Gehirnforschung für den Alltag – Friedhelm Schwarz)

Das glaubst Du nicht? Wo warst Du am 11. September 2001? Wo warst Du am 11. Oktober 2002? 95% von uns können sich daran erinnern, wo sie am 11. September 2001 waren, haben jedoch keinen Schimmer, wo sie den 11. Oktober 2002 verbracht haben. Warum? Weil im Gegensatz zum 11. September kaum jemand den 11. Oktober mit einer Emotion verbindet.

Kommentierte Schläge wirken länger

Auf dem Golfplatz bedeutet das, dass wir Schläge, die uns freuen oder die wir positiv kommentieren länger in Erinnerung bleiben, als Schläge, die wir unkommentiert hinnehmen. Dadurch sind wir in der Lage, uns diese Schläge (in ähnlichen Situationen) immer wieder vor Augen zu führen und uns zu motivieren. Dasselbe gilt allerdings auch für schlechte Schläge. So positiv und hilfreich dieser Effekt bei guten Schlägen ist, so destruktiv ist er in Zusammenhang mit schlechten Schlägen. Denn wer erinnert sich kurz vor einem wichtigen Putt schon gerne daran, wie er einen ähnlichen Putt verpasst hat?

Zurück zum Beispiel und dem von Wasser umgebenen Grün. Angenommen die leise Stimme im Hinterkopf meldet sich und wir denken für einen Moment lang darüber nach, was ein Schlag ins Wasser für unseren Score bedeuten würde. Den Gedanken zu verdrängen oder abändern zu wollen funktioniert nicht. Die bessere, wenn auch deutlich schwierige Methode ist es, den Gedanken ohne jegliche Wertung als einen Gedanken wie jeden anderen zu akzeptieren. „Ah…ein Gedanke“, statt „warum muss ich ausgerechnet jetzt zweifeln?“.

„Ah…ein Gedanke“

„Ah…ein Gedanke“, das klingt erstmal lustig, spart langfristig jedoch einen Schlag nach dem anderen, denn wir nehmen die Wertung und die negative Interpretation aus dem Spiel. Der Haken bei der Sache: Wiederholung! Übung macht nach wie vor den Meister – auf dem Putting Grün, wie im Kopf. Bedenke, dass das Erlernen mentaler Techniken, Strategien und Einstellungen daher kein kurzfristiger Prozess ist, doch Dein Score wird es Dir danken.

Mental-Tipps: Das ist wichtig für eine gute Golfrunde

  • Sei mit den eigenen Schlussfolgerungen ähnlich kritisch, wie mit denen Anderer
  • Angst und Selbstzweifel sind allzu menschlich. Nimm diese an, statt vor ihnen „wegzulaufen“, denn dadurch entsteht ungewünschte Anspannung. Gedanken sind in erster Linie das, was unsere Interpretation aus ihnen macht
  • Kultiviere (abgesehen vom ab und zu notwendigen Tritt in den Hintern) positive Selbstgespräche während einer Golfrunde und schenke Unwichtigem und Unbegründetem keine Aufmerksamkeit
Selbstbewusstsein schafft gute Ergebnisse © stefan schenkon
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