Golfschwung: Veränderungen fühlen mit dem Prinzip der Übertreibung

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Korrekturen im Golfschwung? Unser Körper wehrt sich von Haus aus gegen Veränderungen! Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Veränderungen zum Guten oder Schlechten handelt.

Homöostase – Wenn das Gehirn zu regulieren versucht

Wer zum Beispiel ewig kein Ausdauertraining absolviert hat und sich nun das erste Mal zum Laufen aufrafft, der wird sich nicht gleich besser fühlen. Der Körper wird vielmehr Signale senden, den gewohnten Zustand mit wenig Bewegung beizubehalten. Die Mediziner nennen das Homöostase (das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gleichstand“).

Beim Golf wirkt sich das so aus, dass uns jede kleine Änderung extrem vorkommt. Aus diesem Grund muss man bei jeder Änderung das Gefühl haben, maßlos zu übertreiben. Am besten hilft hierbei eine sofortige Rückmeldung per Video.

Ein Spiel um große Sprünge zu visualisieren

In meinem Unterricht wende ich auch manchmal einen Trick an: Sobald sich andeutet, dass der Spieler zu kleine Schritte macht, bitte ich ihn, den Schläger für eine Minute zur Seite zu legen und sich auf ein Spiel einzulassen. Bei dem Spiel denke ich mir eine Zahl zwischen 0 und 1000 und der Schüler soll diese Zahl erraten.

Nach jedem Rateversuch sage ich, ob die gedachte Zahl größer ist als die geratene Zahl oder kleiner. Danach gibt der Schüler seinen nächsten Tipp ab und so weiter. Ziel des Spieles ist es natürlich, die geratene Zahl mit so wenigen Rateversuchen wie möglich herauszufinden. Die beste Strategie beim Raten besteht darin, am Anfang die Zahl 500 zu raten. Wenn ich dann „größer“ sage, rät der Schüler als nächstes 750, sage ich „kleiner“ tippt er danach auf 250.

Man vollzieht also relativ große Sprünge, die die beiden möglichen Antworten des Lehrers gleich wahrscheinlich machen. Es ist jedoch erstaunlich, wie häufig anders geraten wird. Beispiel: Der erste Rateversuch lautet »1«. Ich sage: „Größer“. Der nächste Versuch lautet „40“. Ich sage: „Größer“. Der Schüler rät nun „70“. Es ist klar, dass man auf diese Weise viel zu lange braucht, wenn ich mir zum Beispiel die Zahl 900 gedacht habe.

Nach diesem Spiel und der Erklärung, wie man es optimal spielt, trauen sich die meisten Spieler beim Korrekturversuch meist mehr, weil sie nicht länger zu denen gehören wollen, die sich in viel zu kleinen Schritten nach vorne raten.

Korrekturen bringen unangenehme Gefühle

Korrekturen fühlen sich merkwürdig an
© arenacreative / depositphotos

Hat der Spieler dann endlich den ersten Versuch geschafft, bei dem er die Korrektur richtig ausgeführt oder leicht übertrieben hat, sollte man meinen, dass nun der schwierigste Teil geschafft wäre. Oft kommt jetzt aber die nächste Hürde: Der Spieler hat es zwar geschafft, die Korrektur richtig auszuführen, aber er hat dabei ein sehr unangenehmes Gefühl.

Statt die Bewegung nun einfach genau auf die Weise immer wieder auszuführen und darauf zu vertrauen, dass sie sich nach genügend Wiederholungen irgendwann nicht mehr so unangenehm anfühlen wird, sucht der Spieler nach einem angenehmeren Gefühl bei der Umsetzung der Korrektur. Da der Lehrer das nicht weiß und der Schüler das auch fast nie verrät, geht hier oft viel Zeit verloren, denn natürlich ist diese Suche immer vergebens.

Der Lehrer sollte dem Schüler also dieses Phänomen sofort erklären, wenn ihm die Bewegung ein paar Mal gelungen ist und danach wieder schlechtere Schwünge folgen.

Korrekturen auf Kommando übertreiben

Wenn Du ohne Lehrer trainierst, empfehle ich, genauso vorzugehen. Nutze die Kamera Deines Mobiltelefons, um zu sehen, ob Du in der Lage bist, zu übertreiben.

Der wichtigste Merksatz in diesem Zusammenhang lautet: Erst wenn man seine Korrektur auf Kommando übertreiben kann, ist man über den Berg.

Hier noch ein Video von mir dazu:

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Über den Autor

Oliver Heuler

Oliver ist seit 30 Jahren Golflehrer und besessen von der Frage, wie man Amateuren das Golfspiel schneller beibringen kann. Er war Nationaltrainer und zusammen mit Bernhard Langer der erste PGA-Trainer des Jahres.

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