Start Mental

Golf mental: Ohne Fleiß kein Preis ‒ und ohne Ziel kein besseres Spiel

Golf Mental Zielsetzung
Foto: BETOCHAGAS
[ WERBEHINWEIS | Der nachfolgende Artikel kann Reklame und Affiliate-Links enthalten ]

Der Frühling steht vor der Tür, eine weitere Saison auf dem Grün liegt vor uns – und es wird Zeit, sich mit den sportlichen Zielen für die Saison auseinanderzusetzen. Du willst dein Handicap verbessern, an deinem Schwung arbeiten oder endlich Loch 9 ohne schlechten Schlag meistern? Dann reicht es nicht, sich das gedanklich vorzunehmen. Es braucht vielmehr eine konkrete Zielsetzung, die du am besten schriftlich formulierst.

Golf Mental TrainingErfolgreiche Menschen, ob auf dem Golfplatz oder jenseits davon, haben eines gemein: ein klares Ziel vor Augen, die nötige Entschlossenheit, es erreichen zu wollen und die Disziplin, es konsequent zu verfolgen. Golf-Legende Gary Player antwortete nach einem „Hole-in-One“ einem Reporter auf dessen Frage, wie es sei, ein solches Glück zu haben: „Ja, es war schon großes Glück, mit einem 260-Meter-Schlag dieses kleine Loch zu treffen. Aber wissen Sie was? Je häufiger ich trainiere, umso öfter habe ich das unverschämte Glück.“

Mit anderen Worten: Du kannst dein Glück durch Fleiß, Fokus, Selbstvertrauen, Disziplin, Willen und Klarheit zu deinen Gunsten beeinflussen. Erfolg ist kein Zufall, sondern das Produkt harter Arbeit.

Schritt für Schritt voran: Erfolgsbaustein Zielsetzung

Wer sich kein Ziel setzt, dem fehlt der Grund, etwas zu tun. Dein Ziel ist letztlich deine Antwort auf die Frage: Was will ich? Aus dieser Antwort kannst du Motivation schöpfen und bewusste wie unbewusste Ressourcen mobilisieren. Der wichtigste Treiber Richtung Ziel ist dabei deine intrinsische Motivation. Sie wird von deinem Wissen um das „Warum“ genährt.

Warum willst du dein Handicap verbessern oder in die Top 10 des Club-Rankings vordringen? Ist dein Drang von außen bestimmt im Streben nach Anerkennung oder liegt ihm deine Freude am Spiel und der Weiterentwicklung zugrunde? Die intrinsische Motivation, die auf Spielfreude und Erfüllung durchs Tun beruht, ist jene Kraft, die am weitesten trägt. Weil sie dich unabhängiger von Erfolg und Misserfolg macht, von äußeren Faktoren wie Ranglistenpositionen und Spielergebnissen. Sie versetzt dich am ehesten in den „Flow“-Zustand, in dem dir die Dinge leicht von der Hand gehen. Die verbissene Fokussierung auf das Erzielen von Ergebnissen kann andernfalls schnell zu Frustration und Selbstzweifeln führen.

Nach dem „Was“ zählt das „Wie“

Wir neigen dazu, unsere Ziele auf der Basis konkreter Ergebnisse festzulegen. Sie beschreiben den Ausgang einer Handlung, das, was erreicht werden soll. Ergebnisziele sind klar quantitativ messbare Ziele wie Titelgewinne, Platzierungen, Zeiten, Gewinnen von Schleifen und Pokalen oder Sieg gegen einen bestimmten Gegner. Damit einher geht allerdings auch, dass nicht alles davon in unserem eigenen Einflussbereich liegt, es gibt einen Anteil an Fremdeinwirkungen. Frust und Druck bei der Zielerreichung sind vorprogrammiert. Angst vor Versagen kann entstehen.

Handlungs- oder Prozessziele setzen

Hilfreicher ist es, sich sogenannte Handlungs- oder Prozessziele zu setzen. Sie blenden das Ergebnis aus und beschreiben vielmehr, WIE das Ergebnis erreicht werden soll, nämlich deinen Weg zum Ziel und die Qualität deiner Handlungen. Handlungsziele bezeichnen deinen erwünschten Zustand, der als Voraussetzung zur Erreichung deines (Ergebnis-)Ziels gilt. Du willst mit Selbstvertrauen golfen? Dann frage dich:

  • Wie siehst du aus, wenn du voller Selbstvertrauen golfst?
  • Wie hört sich das an?
  • Wie fühlt sich das an?
  • Wo spürst du die Energie am stärksten?

Handlungsziele sorgen für dein Sein im Hier und Jetzt. Die Beschäftigung mit dem Ausgang eines Schlags hingegen, also mit der Ergebnisorientierung, stört die perfekte Ausführung des Schlags. Deine Erwartungen hemmen u.U. deine Bewegungsabläufe und blockieren dich geistig. Untersuchungen haben ergeben, dass 66 % der Sportler in der Phase der Höchstleistung im Hier und Jetzt sind. 85 % der Sportler, die schlecht abschnitten, waren auf ihr Ergebnis fokussiert.

Klar, konkret und konstruktiv

Dein Ziel sollte verbindlich, positiv formuliert, aktiv, interessant, realistisch und herausfordernd sein. Es muss in deinem eigenen Einfluss stehen, messbar und konkret sein. Nur so kann es seine Wirkung auf dein Handeln entfalten.

  • Entscheide konkret, was du erreichen willst.
  • Erkenne mögliche Hindernisse und Blockaden, die dich an der golferischen, persönlichen Weiterentwicklung hindern.
  • Was hindert dich an der Zielerreichung? Entscheide, was nötig ist, was du brauchst, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen (Strategien).
  • Welche Wege erschließe ich mir? Welche inneren und äußeren Ressourcen brauchst du, um dein Ziel zu erreichen?

Auf diese Weise legst du die Richtung fest, in die du gehen wirst. Selbstvertrauen und der Glaube an die eigenen Möglichkeiten sind weitere Grundvoraussetzungen für die Zielerreichung. Geeignete Strategien zur Zielumsetzung sind dabei ebenso unerlässlich wie eine konkrete Zielformulierung.

Golfer chippt aufs Grün
Klare Anweisung ans Gehirn: Voller Selbstvertrauen aufs Grün Foto: DAXIAOPRODUCTIONS

Negative Bilder nützen nichts

Negationen existieren nicht in Wirklichkeit, sondern nur in der Sprache. Das Gehirn kann keine Negationen verarbeiten. Wenn ich zu dir sage: „Denke jetzt bitte NICHT an die Farbe Blau“, dann wirst du mit aller Wahrscheinlichkeit zumindest kurz an die Farbe Blau gedacht haben. Sätze wie „Ich lande nicht im Wasser am Loch 9“, „Ich darf nicht im Bunker landen“ oder „Ich verkrampfe vor dem Putt nicht mehr so“ beschreiben Situationen, die wir nicht mehr erleben möchten. Die Sprache erzeugt ein Bild, im ersten Satz z.B. ins Wasser zu spielen. Negative Bilder haben eine Tendenz, einzutreffen und unsere Handlungen zu steuern. Sie sind selbst erfüllende Prophezeiungen.

Wenn man in einem Taxi sitzt und der Fahrer fragt, wo man hin will, ist es wenig hilfreich, ihm zu sagen: „Also ich will auf keinen Fall zum Flughafen. Und in ein Restaurant will ich auch nicht. Und auch nicht zur Post…“

Formuliere Ziele wie „Ich lasse mich nicht davon ablenken, was andere um mich herum neben dem Abschlag tun“ besser um in: „Ich bin konzentriert, wenn ich abschlage“. Statt „Ich habe keine Angst vor …“ ist es hilfreicher zu sagen: „Ich gehe voller Selbstvertrauen in …“, andernfalls bringst du die Angst erst ins Spiel.

Vergleiche verwässern das Ziel

Unser Gehirn braucht klare Anweisungen. Golfprofi Martin Kaymer hat in einem Interview über seine Ziele für 2015 gesagt: „Mein Ziel ist es, noch konstanter zu spielen.“ (Kölner Express, 2014). So formuliert, entspricht das Ziel eher einem Wunsch. Es bleibt offen, wie Kaymer konstanter golfen will. Für eine effektive Zielsetzung ist die richtige Formulierung ebenso wichtig wie die Definition von drei bis fünf Kriterien, an denen du deine Zielerreichung erkennen kannst.

Martin Kaymer
Golfprofi Martin Kaymer Foto: ISOGOOD

Unser Gehirn kann auch bei Zielen mit Vergleichen wenig anfangen, denn es bleibt offen, worauf es seine Aufmerksamkeit richten soll. Bei dem Ziel „Ich will besser golfen“ bleibt z.B. offen, wie und wann genau ich besser golfe. Besser als was oder wer? Und was folgt daraus? Hier fehlt eine klare Handlungsanweisung.

Wichtig: Vergleiche dich nicht mit anderen – das ist in der Regel kontraproduktiv, denn es gibt immer Spieler, die besser sind als du und ein Vergleich dir unterschwellig das Gefühl vermittelt, nicht gut genug zu sein. Das hilft dir nicht weiter.

Mit Präzision, Timing und Kontext

Formuliere deine Ziele ohne „will, kann, möchte“, denn damit raubst du deinen Zielen die Prägnanz. Deine Zielformulierung sollte konkrete Hinweise darauf geben, wer, was genau, wie, wann, wieviel, wo und gegebenenfalls mit wem du dein Ziel erreichen möchtest. Je genauer und besser du dein Ziel beschreibst, desto wahrscheinlicher ist der Erfolg, das Ziel auch wirklich zu erleben. Statt zu sagen: „Ich möchte in der Situation X geduldiger werden.“ ist es besser, wenn dein Ziel lautet: „Immer, wenn die Situation X eintritt, werde ich ab sofort erst tief durchatmen, mich beruhigen und dann reagieren.“

Also, was möchtest du 2019 im Golfsport erreichen? Woran wirst du merken, dass du es erreicht hast? Was wird sich dadurch in deinem Leben verändern? Was musst du dafür aufgeben? Was ist dein wichtigster persönlicher Gewinn bei der Zielerreichung? Fragen über Fragen. Du allein kennst die Antworten. Viel Erfolg auf dem Golfplatz!

Mehr Informationen: unter heimsoeth-academy.com und im Buch Erfolg durch Selbstmanagement: Golf mental (2014, pietsch Verlag, Stuttgart).

Antje Heimsoeth Coaching
Antje Heimsoeth ist Expertin für mentale Stärke, Selbstführung und Motivation Foto: ARMIN BUHL