Alles auf Anfang? Golf spielen nach einem Jahr Abstinenz

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Im Leben eines jeden Golfer gibt es Zeiten in denen er wenig spielt. Wenig. Gar nicht. Ganz und gar nicht. Irgendwo zwischen Clubhaus und Couch hat man den Moment verpasst. Und ich meine damit nicht saisonal bedingte Golfplatz-Dürre durch geschlossene Plätze oder vereiste Abschläge. Ich meine den Moment sich aufzuraffen und tatsächlich auf den Platz zu gehen, sein Bag zu schultern und den Schläger zu schwingen – auch wenn es nur ein paar Abschläge auf der Driving Range wären.

So vergehen die Tagen, Wochen, Monate und irgendwann ist der Moment gekommen an dem man nicht mehr gehen kann. Angst, was die anderen denken werden, wenn sie meinen verrosteten 20-Meter-Schlag sehen. Panik, ob ich überhaupt noch in der Lage wäre, einen geraden Schlag oder zumindest eine einigermaßen annehmliche Weite zu Stande zu bekommen. Muss ich wieder zurück auf Anfang, jede kleinste Bewegung in mühevoller, stundenlanger Kleinstarbeit in meinen Kopf prügeln, sie dann schnellstmöglich wieder vergessen, um einen natürlichen, fließenden Schlag zusammenzubringen? Ist das die Demut, von der alle sprechen oder ist Golf spielen wie Fahrrad fahren?

Schlechte Voraussetzungen

Als ich im Sommer zugesagt hatte, ein Golfturnier in Berlin zu spielen, verschwendete ich keinen Gedanken daran, dass ich zum Zeitpunkt des Turniers im Herbst über ein Jahr kein Golf gespielt haben werde. Ganz zu schweigen davon, dass ich ein Jahr keine Minute auf einer Driving Range oder Übungsanalage verbracht habe, bin ich auch schon eine Ewigkeit keine 18 Loch mehr gegangen. Mein Golfbag vegetiert seit einem Jahr im Keller vor sich her und setzt Staub an. Die Vorrausetzungen waren nicht vielversprechend.

Ohne Driver: Das 8er-Eisen rettet das erste Loch © anna-katrin keller

Am Tag des Turniers stand ich auf der Driving Range und nachdem ich mir wieder in Erinnerung gerufen hatte, wie man überhaupt den Schläger hält, schlug ich einige Bälle, die erstaunlicherweise geradeaus flogen – nicht weit – aber geradeaus. Der Schlag war entfernt von perfekt, aber das war er auch schon ein Jahr zuvor. Gespielt wurde Florida-Scramble, ein Teamspiel, bei dem der Spieler aussetzt, dessen Ball gespielt wird. Wenn mein Ball als der zu spielende Ball erklärt wird, setzte ich aus. Je besser ich spiele, desto weniger muss ich auch spielen.

Meine Hoffnung lag beim Kurzspiel. Die Driver in den Golfbags meiner Mitspieler funkelten im Sonnenlicht und kamen beim ersten Abschlag auch allesamt zum Einsatz. Einer landete rechts, einer landete links, einer landete im Nirgendwo und so stolperte ich als Letzte an den Damenabschlag mit meinem abgebrochenem Tee, pinken Ball und 8er Eisen. Und so rettete der Driverlose-8er-Eisen-Ball das erste Loch, der sauber auf dem hinteren Rand vom Fairway landete.

Fast wie Fahrrad fahren – fast!

Zwar war mein Arm nicht durchgestreckt, meine Hüfte drehte sich nicht wie früher und ich hätte gut und gerne das Turnier nach Loch 14 aufgrund von diverser Schwächeanfall  abbrechen können, aber es hat mich wieder daran erinnert, warum ich angefangen hatte Golf zu spielen. Golf spielen ist vielleicht nicht wie Fahrrad fahren – und um wieder in alte Form zu kommen, braucht es mehr, als sich mit zehn Bällen einzuschlagen – aber man muss auch nicht bei Null anfangen. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, hat einen das Golffieber nie verlassen, es ist alles nur eine Frage, wie man seine Prioritäten setzt.

Wenn man genauer darüber nachdenkt, hat einen das Golffieber nie verlassen © tonodiaz / depositphotos

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Über den Autor

Anna-Katrin Keller

Anna kommt aus Berlin, studiert an der Universität Wien und arbeitet als Marketing Managerin in Köln. Dazwischen spielt sie leidenschaftlich gerne Golf. Über die Schwierigkeiten dabei berichtet sie hier.

4 Kommentare

  1. Jan

    Für mich ist die Winterpause schon immer zu lang, ein Jahr .. respekt! Wichtig ist echt, dass die Erwartungen nicht zu hoch gesetzt werden nach so einer langen zeit. Gutes Spiel für 2016! 🙂

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